Entspannte Atmosphäre bei der 35. Ausgabe des Pfingst Open Air: Bei bestem Festivalwetter flezen sich tausende Besucher am Montag auf dem Rasen, genießen Sonne und Musik oder feiern vor der Hauptbühne und auf der elektronischen Wiese ab. Von den Terrorschlagzeilen der vergangenen Tage will sich hier niemand die Laune verderben lassen.

Auf einer Decke hat es sich Alex Heußen gemütlich gemacht. Neben ihm spielen seine zehnjährige Tochter Emma und ihre Freundin Irini zusammen. „Ich komme aus Mönchengladbach und bin zum ersten Mal hier“, verrät der 44-Jährige. „Meine Freundin hat vorgeschlagen, hier vorbeizuschauen.“ Bereut hat er es nicht: „Total sympathisch“ findet er die Umsonst-und-draußen-Veranstaltung im Werdener Löwental, „ein schöner Feiertagsausflug“. Schlagzeilen aus den vergangenen Tagen wie der Anschlag in London oder der zeitweilige Abbruch von Rock am Ring wegen Terrorverdachts machen ihn nicht nervös. „Dafür ist die Veranstaltung hier viel zu klein und damit als Terrorziel uninteressant“, lautet seine Einschätzung. Polizei hat Zahl der Einsatzkräfte nicht erhöht

Auch die Polizei hat keinen Grund gesehen, um die Einsatzkräfte zu verstärken. „Wir sind mit demselben Aufwand vor Ort wie in den vergangen Jahren“, betont Polizeisprecher Christoph Wickhorst. Und damit fahren sie gut: „Es ist super entspannt“, sagt er. „Die Leute haben Spaß und feiern ausgelassen.“ Bewährt habe sich, dass die Veranstalter ohnehin in den letzten Jahren die Sicherheitsvorkehrungen verschärft haben. So gibt es seit einigen Jahren ein Glasverbot – dies minimiert das Risiko von Schnittverletzungen.

Diesmal gibt es erstmals ein generelles Mitnahmeverbot von Getränken, was gegen 17 Uhr zu längeren Schlangen am Einlass führt, denn mit den Taschenkontrollen nimmt es das Sicherheitspersonal genau. 12700 Besucher befinden sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Gelände – bald wird es zum ersten Mal zum Einlass-Stopp kommen. Denn seit 2012 gehört es zum wegen des Duisburger Loveparade-Unglücks verschärften Sicherheitskonzepts, dass nicht mehr als 13000 Gäste gleichzeitig auf dem Festivalgelände sein dürfen.

Eine Maßnahme, die Kristian Schäfer aufatmen lässt. „Dadurch ist das Fest extrem lässig geworden“, sagt der Vater zweier Töchter. Die 20 Monate alte Constanze hat er im Auge, als sie die Rutsche hinuntersaust. „Ich war 2010 mit meiner Frau auf der Loveparade in Duisburg. Danach hatten wir erst einmal zwei Jahre lang genug von Großveranstaltungen.“

Doch beim Pfingst Open Air fühlt er sich wohl – auch wegen der familienfreundlichen Atmosphäre und weil sich die Besucher gut verteilen. Und das Thema Terror bereitet ihm ebenfalls kein Kopfzerbrechen. „Meiner Frau ist schon etwas mulmig“, räumt er ein. „Aber ich sehe das ganz gelassen. Es gibt wesentlich gefährlichere Orte“. Nur eins bedauert er: „Wenn die Orsons spielen, bin ich wieder daheim. Schade, die finde ich super – aber das gehört zu den Zugeständnissen eines Familienvaters“, lächelt er.

Und auf der Hauptbühne? Nachdem mit Bands wie „Elwood Stray“ und „Von Holzen“ vorher vor allem Rockfans bedient wurden, füllen die Mädels von Chefboss mit ihren basslastigen Partysongs die Ränge mit feierwütigem Volk. Beim Pfingst Open Air hat niemand Angst vor Feiern.  (WAZ, 17.05.2016)